Alpentherme-Riff auf Bali: Unser künstliches Riff wächst! 15.10.2026
Auf Tauchgang mit Roger
Was passiert mit einem künstlichen Riff, wenn es ein Jahr unter Wasser ist? Roger Winter, International Coordinator von Reefvillage, war vor Ort und hat nachgesehen. Kleine Korallen haben sich angesiedelt, daneben wurde eine Erweiterung installiert - unser Riff wächst also im doppelten Sinn gewachsen!
Roger Winter: Jahrzehnte unter Wasser
Aber von Beginn an: Roger taucht seit 1970. In dieser Zeit sind Tauchreisen, Expeditionen, Pioniertouren und unzählige Tauchgänge in den verschiedensten Gewässern zusammengekommen. Besonders stolz ist der passionierte Unterwasserfilmer auf seinen Film Das Wrack – Tauchfahrt in die Vergangenheit, der nach der Suche nach der „Thistlegorm“ entstand und vom ZDF zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurde.
Heute ist Roger in Pension. Ganz losgelassen hat er das Tauchen aber natürlich nicht. Mit seinen „Roger & Friends“-Reisen ist er weiterhin unterwegs. Seit Anfang 2026 ist er außerdem als International Coordinator für Reefvillage im Einsatz.
Seine Aufgabe: Menschen und Erfahrungen zusammenbringen, Projekte koordinieren und beobachten, was unter Wasser funktioniert.
Denn ein künstliches Riff ist nicht einfach eine Konstruktion, die man ins Meer stellt und dann sich selbst überlässt. Welche Materialien eignen sich? Wo siedeln sich Korallen an? Wie entwickeln sich die Strukturen? Genau das wird bei Reefvillage beobachtet, dokumentiert und wissenschaftlich begleitet.
Ein Jahr unter Wasser: Was tut sich beim Alpentherme-Riff?
Roger hat für uns Koffer und Tauchanzug gepackt und unser Riff auf Bali besucht. Was uns natürlich besonders interessiert: Wie schaut das Alpentherme-Riff nach einem Jahr im Wasser aus?
„Die Metallkonstruktion steht nach wie vor am Hausriff vor dem BREEZE – North Bali Ocean Resort (ehemals Bali Villa Dive Resort). Inzwischen haben sich darauf bereits viele kleine Korallen selbständig angesiedelt“, erzählt Roger. Manche sind noch winzig – auf Fotos und Videos sind sie trotzdem gut zu erkennen.
Für Roger ist das ein wichtiger Schritt. Er vergleicht die Entwicklung gerne mit einem Salatbeet: „Irgendwo zeigt sich das erste kleine Grün. Dann braucht es Zeit, bis daraus etwas Größeres wird.“
Auch Studierende der Universität Bremen sind in das Projekt eingebunden. Sie dokumentieren die Entwicklung und untersuchen unter anderem, welche Untergründe sich für das Anwachsen von Korallen eignen und wie sich die Bedingungen unter Wasser entwickeln.
Das Reefvillage bekommt Zuwachs
Neben dem bestehenden Alpentherme-Riff wurde eine weitere Riffstruktur ins Wasser gebracht und direkt daneben positioniert. Sie bietet Platz für weitere Korallen und gleichzeitig die Möglichkeit, verschiedene Materialien und Elemente auszuprobieren.
„Beim ursprünglichen Riff hatten wir als Untergrund noch eine Zementschicht, die den Metall-Käfig ummantelt. Bei der Erweiterung haben wir Betonklötze direkt in der Metallkonstruktion integriert, die besonders kleineren Fischen Zuflucht bieten sollen und darauf können sich natürlich auch Korallen ansiedeln“, so Roger.
Doch bevor aus der Konstruktion ein lebendiger Teil des Riffs werden kann, braucht es vor allem eines: Korallen.
Wenn aus Korallenbruch neues Leben entsteht
Gemeinsam mit zehn Tauchern wurde deshalb kurzerhand von Roger eine Korallensammelaktion organisiert. Gesammelt wurden abgebrochene Korallenstücke, die am Meeresboden lagen und im Sand vermutlich nicht lange überlebt hätten.
Fünf Teams waren unterwegs, fünf Körbe wurden unter Wasser gefüllt. Danach ging es mit dem Boot und den eingesammelten Korallen direkt zurück zum Reefvillage – die Fahrt dauerte nur rund fünf Minuten.
Dort wurden die Korallen vorbereitet, verteilt und auf der neuen Riffstruktur befestigt. „Das Anbringen der Korallen-Fragmente ist keine Hexerei“, erklärt Roger. „Sie werden mit herkömmlichen Kabelbindern befestigt und dann nach und nach vorsichtig festgezogen. Danach überwachsen die Korallen den Kabelbinder und wachsen am Riff weiter.“
Und lange musste niemand auf erste Bewohner warten: Schon wenige Minuten nach der Befestigung schauten neugierige Fische vorbei und begutachteten das neue Riff.
Natürlich wird aus ein paar Korallenfragmenten nicht sofort ein fertiges Riff. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: beobachten, kontrollieren und dafür sorgen, dass die Korallen gut anwachsen können. Was daraus wird, braucht Zeit
Ein Jahr unter Wasser ist für ein künstliches Riff gleichzeitig lang und kurz. Auf der ersten Struktur haben sich bereits kleine Korallen selbständig zu den damals angebrachten Korallen angesiedelt. Daneben steht nun die neue Konstuktion – mit weiteren Korallenfragmenten, die hier anwachsen sollen.
Auch die Studierenden der Universität Bremen beobachten die Entwicklung: Welche Materialien funktionieren gut? Wo siedeln sich Korallen an? Wie verändert sich die Struktur mit der Zeit?
Für Roger liegt genau darin der spannende Teil des Projekts: ausprobieren, beobachten, Erfahrungen sammeln und dieses Wissen dokumentieren und weitergeben. „Es gibt weltweit viele Reefvillages und jedes arbeitet anders. Im Wissenstransfer liegt meiner Meinung nach sehr viel Potenzial. Darum sind mir die Vernetzung und der Austausch auch so wichtig“, erzählt Roger.
Das Alpentherme-Riff ist also längst kein fertiges Projekt. Es ist eine Geschichte, die gerade erst beginnt – und unter Wasser weiterwächst.
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